Fipsen auf der Kirmes

15:00 Freitag, 25. August 2006

Ja moin!

Es ist mal wieder die Zeit der großen Kirmes, in vielen verschiedenen Winkeln dieses spaßsüchtigen Landes. Auch ich unterlag einmal mehr der Versuchung eines hohen Adrenalinpegels und leckerer Zuckersünden. Wie immer stellte ich meine obligatorische Rummelausrüstung zusammen, bestehend aus

  • 1 Schraube M12x50

  • 1 mit einer Mischung aus Orangensaft, Kakaopulver und altem Hering beschmiertes T-Shirt

  • 1 beliebigen TÜV-Bericht meines Autos

  • 1 Wattebäuschchen

  • 1 alten Handy, das man schon immer mal loswerden wollte

  • 1 orangenen und 1 gelben Warnweste

Solange der Magen nur leer und belastbar ist, will man grundsätzlich in die höchste und schärfste Achterbahn, und dies so schnell wie möglich. Wenn da nur die lange Schlange nicht wäre. Mitten in der Schlange lässt man nun möglichst unauffällig die Schraube M12x50 fallen, um sie umso auffälliger aufzuheben, hochzuhalten und laut zu fragen: "Weiß einer, wo die herkommt?" In der Regel reduziert sich die Schlange um mindestens die Hälfte. Hat einem die Achterbahn nicht gefallen, geht man auf dem Rückweg nochmals an der Kasse vorbei und hinterlässt die altbekannte Schraube mit den Worten: "Ich glaube die gehört Ihnen!"
Kurz vor Fahrtantritt sollte man das beschmutzte T-Shirt anziehen, denn sollte sich jemand vor einen setzen, den man dort nicht haben will, kann man mit dem stinkenden, verschmodderten T-Shirt am Leib immer noch laut stöhnen: "Hoffentlich muss ich nicht gleich wieder kotzen...."

Für die Schlange am Riesenrad muss man sich etwas Neues einfallen lassen. Vor allem sollte man wegen der meist vorkommenden Anwesendheit der Freundin etwas subtiler vorgehen. Man zückt also den TÜV-Bericht und fragt laut seine Begleitung: "Wusstest Du eigentlich, dass dies Reisenrad vor 2 Jahren wegen mangelhaften Schweißnähten auffällig war?" Auf die abgesprochene Gegenfrage, woher man das denn wüsste, erwähnt man seine (ruhig auch fiktive) Ingenieursausbildung. Wieder sollte sich die Wartezeit erheblich verkürzen.

Es folgt der erste Hunger, man ist immer noch in Begleitung, hat Bock auf Zuckerwatte, will diese aber nur einmal bezahlen. Man kauft sich weiße Zuckerwatte, probiert, dreht sich mit angewiderter Miene wieder um und reicht dem Verkäufer das zuvor unauffällig in der Hand verborgene Wattebäuschchen mit dem Hinweis: "Probieren Sie bitte mal, schmeckt irgendwie komisch"!. Daraufhin handelt man sich eine kostenlose zweite Zuckerwatte heraus, natürlich mit dem großzügigen Angebot, erstere selbst zu entsorgen.

Ab zum Autoscooter. Während der Fahrt zielt man nur auf hochpubertierende Halbstarke, die aufgrund ihrer lässigen Scooterfahrweise in späteren Jahren noch schmerzlich merken werden, dass Handy am Steuer Geld kostet und Punkte bringt. Mein Ziel ist es hingegen nur, ihnen durch gezielte Rammstöße das Handy aus der Hand zu schießen (bestenfalls dann auch noch mehrfach zu überfahren), um ihnen anschließend das mitgeführte, alte Handy zum guten Kurs verkaufen zu können, damit sie weiterhin posen können.

Während man nun (wie ein mustergültiger Kirmesbesucher) seinen regulär bezahlten, fettigen, oberleckeren Cheeseburger isst, zieht man wieder das Achterbahn-T-Shirt an, um den Grad an Gestank und Verschmutzung aufrecht zu erhalten. Wer weiß, wie oft man noch in diverse Fahrgeschäfte will.

Auf dem Weg zum Bierzelt brüllt man bei der Marktschreierpassage dem Wurstverkäufer zu, der Käsefutzi nebenan hätte seinen Penis mit dem von ihm verkauften Wattwurmwürstchen verglichen. Während sich beide laut beleidigend mit ihren Produkten beschmeißen, fängt man sich zwischendurch ne Wurst und ein Stück Käse für das morgige Frühstück auf. Mindesthaltbarkeitsdatum war zwar ohnehin gestern, dafür ist es aber umsonst. Im Bierzelt unterhält man sich dann angeregt mit einem End50er, der mit seiner Ich-AG "Online Schuhreinigung" scheiterte und beim zustimmenden Nicken die Augen soweit verdreht, dass man nur noch das Weiße sieht, über die Bedeutung neuer Leuchtmittel im Einsatz an Jahrmarktattraktionen für Kinder sowie den immer schlechter werdenden Geschmack von Zuckerwatte.

Nach dem Bierzelt ist die Feierlaune entsprechend groß, um einen Schießstand anzupeilen. Jetzt ballert man so lange auf empfindliche Gegenstände wie Standbeleuchtung, Kaffeetasse des Besitzers und dessen Genitalbereich, bis dieser völlig entnervt einen Trostpreis anbietet, welcher ungefähr einen Gegenwert zur entrichteten Ballergebühr darstellt.

Auf dem geplanten Heimweg lässt man seine Freundin schon mal das Auto holen, während man sich selbst die Warnweste in der zuvor erspähten passenden Farbe anzieht und sich von einem beliebigen Spätrummelbesucher seine Parkgebühr zurückholt.

So long, bis zur nächsten Rummelsaison.

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