Searching Jürgen in Motala

20:19 Freitag, 19. Juni 2009

Letzten Herbst stellte ich mir also die Frage, wieviel Vorbereitungszeit man wohl braucht, um in Schweden 300 km am Stück um den Vätternsee fahren zu können. Die Antwort: 3 Monate und gerade mal 1000 km reichen, um nach 15 Stunden reiner Fahrtzeit trotz Erkältung anzukommen (auch wenn man im ersten Moment nicht glücklich dabei aussieht). Nachdem man den gesamten Freitag komprimierte Whirlpoolmengen an Wasser waagrecht über den Campingplatz jagen sah, legte man hochmotiviert und dick eingepackt in Regenklamotten um 20.28 Uhr los. Blaubeersuppe ist lecker, die erste wichtige Erfahrung am Verpflegungsdepot. Langes Stehen ist doof, da es echt wehtut, mit kalten Beinen wieder loszufahren. Schweden sind unhöflich, muss man hier leider sagen. Bei der Anfahrt in die Depots haben sich reihenweise Leute auf die Nase gelegt, da sie nicht rechtzeitig aus ihren Klickpedalen kamen. Die Schweden kümmert das herzlich wenig. Ich habe mich zwar auch nicht gerührt, als höflicher Deutscher aber wenigstens noch "Geht´s?" gefragt.

Jürgen. Jürgen würde schmerzlich vermisst, von sehr vielen Radlern. Jedes Mal, wenn ein schneller Zug aus gut trainierten Schweden von hinten anrollte, suchte ich mit nach Jürgen. Es mag vielleicht auch eine schwedische Warnung im Sinne von "Aus dem Weg!" gewesen sein. Mir war nach der x-ten Wiederholung mit einem Lächeln im Gesicht klar: Sobald einer von hinten wie gestört "JÜRGÄÄÄÄÄÄN!" brüllt, ab nach rechts und ducken. Die waren einfach nur viel schneller als wir.
Als es hell und irgendwann auch trocken wurde, war ich etwas abgelenkt von den ganzen süssen Mädchenärschen, die mich reihenweise überholten. Dass diese Mädels eine 10er-Potenz an Startnummer im Vergleich zu mir trugen, störte mein männliches Ego dabei nicht im geringsten. Ich hätte mich vorher schlau machen sollen, was "Gib mir Windschatten Bäbbäää!" auf schwedisch heisst. Nächstes Jahr wird jedenfalls meine Handynummer und "Call me if you like riding!" auf mein Trikot gedruckt sein.
Aber lieber nur auf die Brust, denn hinter mir waren nur dicke Frauen. Ich machte per Anfängerfehler zu oft selber einen Zug auf, ohne es zu merken. Man strampelt da gemütlich vor sich hin, schaut mal wieder nach hinten und erschrickt fürchterlich, da sich hinter einem schon 40 Leute angesammelt haben. Langsamer werden hilft nicht, dann werden die auch langsamer. Mehr Power um an den süssen Ärschen dran zu bleiben wäre wünschenswert gewesen.
Abends nach der Zieleinfahrt reichen übrigens 2 Bier und ein Cigarillo, um sich in einen 12 Stunden schweren, traumlosen Schlaf zu katapultieren. Der tags zuvor rammelvolle Campingplatz (ein Fussballplatz) war beim Blick aus dem Wohnmobil wie leergefegt, neben uns wurden schon wieder Fussballtore aufgebaut. Beim anschliessenden Morgenei wurde ich dann fast noch vom schwedischen Platzwart auf dem Klo eingeschlossen. Er fragte höflich in perfektem Englisch, ob er mich denn nächstes Jahr wiedersehen würde (das Motto: See You In Motala). Ich muss sagen... ja! Nächstes Jahr dann mit ordentlich Tempo. Und mehr Zeit für schwedische Grosstädte, die Mädels sind einfach zu süss.
An dieser Stelle nochmal danke an Brumming, dass er mich bis ins Ziel begleitet hat. Er hat übrigens nur noch drauf gewartet, dass ich den Veranstalter verklage. Motzen motiviert mich, und da die einzigen leichten Steigungen dann ausgerechnet auf den letzten 60 km kein Ende mehr nehmen, musste mein Umfeld viel Gemotze ertragen...
Also gut, 2010, See You In Motala.

1 Kommentare:

  1. Ein schöner Bericht von dieser scheinbar tollen Volksradtour. Das klingt wirklich super und ich muss sagen, du hast mir richtig Lust darauf gemacht. Das könnte ich mir wirklich mal überlegen!

    Gratulation zu den überstandenen 300 Kilometern - das ist schon eine geniale Leistung!

    Hannes

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